Song Spiegel Scherben – Menomena: “Mines”
Drei Musik-Perfektionisten nehmen Hunderte von Loops auf. Jede dieser Miniaturen könnte Teil eines perfekten Pop-Songs sein. Doch wer will das heute schon?
Drei Musik-Perfektionisten nehmen Hunderte von Loops auf. Jede dieser Miniaturen könnte Teil eines perfekten Pop-Songs sein. Doch wer will das heute schon?
Am vergangenen Freitag hat eine Runde von 11 Twitteristi sich redlich bemüht, der Bühnenfassung von Daniel Kehlmanns “Ruhm” eine weitere Ebene hinzuzufügen. Gleich vorweg: Es ist nicht leicht, einer Theateraufführung zu folgen, dabei selbst Kommentare in ein Smartphone zu tippen und auch noch auf die Kommentare der anderen zu reagieren. Doch der Reihe nach.
Sehr geehrter Herr Kehlmann,
Gerald Reischl hat mich gefragt, ob ich dabei bin wenn die Theaterversion Ihres Erfolgsromans auf die Bühne der Festspiele Reichenau kommt. Ich darf während der Vorstellung sogar meinem Hang zum auf 140 Zeichen verdichteten Exhibitionismus nachgehen. Mach ich. Eh klar! Ich twittere sogar am Klo. Im Theater habe ich auch schon. (Das Stück hat mich gelangweilt.)
Zwei Jahre hat es gedauert, bis dieser Film über das italienische Prekariat seinen Weg in die österreichischen Kinos gefunden hat. Dabei funktioniert diese Komödie auf allen Ebenen: Hirn und und Herz werden gleichermaßen angesprochen, lachen kann man dabei auch und das sogar ausgiebig. Dass der Film-Exportverantwortliche von Berlusconis Gnade uns das so lange vorenthalten hat liegt wohl daran, dass es hier um sehr explizit vorgetragene Kritik an des Meisters Italien geht. Ein Italien, in dem Fernsehunterhaltung noch seichter ist wie anderswo und in dem man sich mit Hingabe der Aufrechterhaltung des schönen Scheins widmet. Auch wenn es hinter der Fassade schon längst ordentlich bröckelt.
In den vergangenen Tagen war einigen Medien zu entnehmen, dass im neuen ORF-Gesetz, das derzeit im Verfassungsausschuss des Nationalrates diskutiert wird, auch massive Einschränkungen beim Online-Angebot des Österreichischen Rundfunks festgeschrieben werden sollen. Der dramatischste Einschnitt: der ORF Futurezone droht das Aus. Dieser Passus wurde auf Betreiben der österreichischen Zeitungsverleger formuliert. Die wollen den unliebsamen Mitbewerber auf ein Mindestmaß zurück gestutzt sehen. Der ORF soll online keine „vertiefenden Angebote“ mehr bringen, die nicht direkt „sendungsbegleitend“ sind. Das ist das Todesurteil für eine österreichische Online-Institution, die im Kern öffentlich-rechtlicher ist als viele andere ORF-Angebote.
Seit Freitag vergangener Woche gibt es ein neues Opfer, das an der großen chinesischen Firewall verbrannt wird. Foursquare ist ein kleiner, aber vielversprechender Dienst, der sich als sozialer Reiseführer in den letzten Monaten zum Liebkind der Geekeria gemausert hat. Das Prinzip ist denkbar einfach, aber überzeugend umgesetzt: Die Mitglieder der Community machen sich Reiseführer und Lokaltipps selbst und in Kombination mit der GPS Lokalisierung von Smartphones findet man in jeder noch so fremden Stadt den gerade angesagtesten Ort für den Verzehr von asiatischen Trendspeisen oder für die Einnahme von alkoholhaltigen Erfrischungsgetränken in Gesellschaft der Lokalprominenz.
Wikipedia weiß über die Juche-Ideologie von Kim Il-sung zu berichten, dass in dieser vom Marxismus-Leninismus abgeleiteten Weltanschauung der Mensch zwar nach wie vor Subjekt sei, allerdings wird dessen „bedingungslose Loyalität gefordert“. Ja, man wolle sich sogar über die historischen Grenzen hinwegsetzen in denen die klassischen Denkschule gefangen sei und strebt nach Ewigkeit.
Peter Noever Ausstellungskonzept, sich vorurteilsfrei und ohne Interpretationskeule dem aktuellen Kunstschaffen Nordkoreas zu widmen, ist mehr als nur gelungen. Unter dem Titel „Blumen für Kim Il-Sung – Kunst und Architektur aus der Demokratischen Volksrepublik Korea“ zeigt das Wiener MAK einen interessanten und durchaus sehenswerten Überblick über das aktuelle künstlerische Schaffen in einem Land, das sich gänzlich außerhalb eines globalen Grundkonsenses stellt und von totalitären Zwangsvorstellungen dominiert wird, in dem der 1994 verstorbene Diktator wie eine Gottheit verehrt wird und in dem sein Sohn Kim Jong-Il aktuell die Mauern zur Außenwelt noch weiter hoch zieht und die Bevölkerung mit Propaganda statt mit Reis füttert.
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Gestern kam ich per Zufall und gänzlich unvorbereitet in den Genuss einer Produktion der Wiener Festwochen. Dem inszenierenden Rimini Protokoll eilt ja ein guter Ruf voraus. Sie arbeiten mit so genannten Experten der Wirklichkeit und selbst wenn sie sich Bühnentexte vornehmen, dramatisieren sie nicht diese selbst, sondern lassen Menschen ihre persönlichen Beziehungen zum Text in einer Art dokumentarischen Spiel reflektieren. Warum also nicht auch das Zahlenwerk des Statistischen Jahrbuchs auf die Bühne bringen?
Es ist ja unglaublich, Du hast es geschafft, dass ich als grundgrantiger, wortkarger Mensch ein annähernd normales Kommunikationsverhalten entwickelt habe. Sogar Freunde habe ich jetzt. Früher hatte ich Bekannte – und da konnte ich oft genug beim zweiten Treffen das Gesicht nicht mehr dem Namen zuordnen. Seit es Facebook gibt, ist das alles irgendwie gut. Und überhaupt ist gut, dass ich jetzt immer sofort weiß, worüber ich mit meinen „Freunden“ reden soll, wenn ich sie treffe. Ein kurzer, verstohlener Blick auf ihre Timeline (Facebook-Client am Smartphone) genügt und wir haben Gesprächsstoff. Und wenn uns der ausgeht, reden wir über Facebook. Ist Dir sicher auch nicht unrecht.
Ich hab auch schon öfter gelesen, dass Facebook hauptsächlich für solche Soziopathen wie mich erfunden wurde. Jetzt sind wir dann bald 500 Millionen.
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