Sep 20, 2011
Was mache ich bloß mit einem Elektrofahrrad in Wien?
Das Öko-Energie Blog hat zur Blogparade zum Thema “Urbane Mobilität” aufgerufen und es gibt sogar etwas zu gewinnen: Ein Elektrofahrrad im Wert von sage und schreibe 2.000 Euro. Elektrofahrräder an sich sind eine gute Sache. Ich bin testweise schon ab und zu mit einem gefahren. Schon fein, wenn man etwas Unterstützung für die mit dem Alter abnehmende Muskelkraft bekommt.
Aber ich wüsste beim besten Willen nicht, wo ich es abstellen sollte und noch weniger weiß ich, wie und wo ich es betanken könnte. Ich wohne in einem Altbau. Aus Überzeugung, weil ich die hohen Räume mag und zum Denken brauche. (Und kommt mir jetzt bloß nicht mit den höheren Heizkosten! Altbauten sind thermisch allemal sinnvoller als die Bauten aus den 50er, 60er oder 70er Jahren.) Und ich fahre gerne mit dem Rad.
Da das Haus, in dem ich lebe, grantle und arbeite keinen Fahradabstellplatz hat, schleppe ich es nach jeder Ausfahrt in den finsteren, feuchten Altbaukeller und für jede Ausfahrt wieder raus. – Und da bin ich kein Einzelfall. Die Wiener Innenstadt ist voller Gründerzeithäuser. Viele davon haben keinen Hof und damit keine überdachten Fahradabstellplätze. Keller sind für normale Fahrräder gerade noch gut genug. – Nicht aber für Elektrofahrräder. Die kann man dort meist mangels Steckdosen auch nicht aufladen (oder sagt man betanken?). Und wenn es dort Steckdosen gäbe, würden sich die anderen Bewohner des Hauses schön bedanken, wenn ich das auf Kosten der Hausgemeinschaft mache.
Und da liegt für mich des Pudels Kern: Elektromobilität schön und gut. Aber sie ist wohl mehr für begüterte Menschen bzw. Bewohner der städtischen Randgebiete geeignet.
- Die Elektromobile sind teuer. 2.000 Euro kommen nicht zu Fuß. (Ein Kalauer!)
- Wer sich solche Elektromobile leistet, muss dann entweder in einen Neubau ziehen (die noch dazu eine entsprechende Auflade-Infrastruktur haben müssten) oder überhaupt ein Haus mit Garage und Steckdose sein Eigen nennen.
Damit hege ich keine allzu großen Hoffnungen, dass private Elektromobilität die Verkehrssituation in Wien so schnell entlasten wird. Die paar Ladestellen, die A1 in Form umgebauter Telefonzellen bietet oder die der großen Supermarkt-Ketten reichen nicht aus. Laut dieser Website gibt es in Wien 127 Möglichkeiten, Strom zu tanken: www.elektrotankstellen.net . Und überdachte öffentliche Abstellplätze für (Elektro-)Fahrräder habe ich in der Wiener Innenstadt auch noch nicht gesehen.
Wohlgemerkt: Meine Skepsis bezieht sich auf die private Elektromobilität. Die öffentlichen Verkehrsmittel setzen jetzt schon in größerem Ausmaß auf ökologisch vertretbare Antriebsformen und wenn’s nach mir geht, sollten die Fahrzeugflotten aller öffentlichen Institutionen und größerer Firmen sowie alle Taxis auf solche umgestellt werden.
Und außerdem: Ich trete eh gerne in die Pedale. Ich sehe das nämlich sportlich. Erst kürzlich hat der VCÖ jubiliert, dass Wien eine Stadt der Radfahrer ist (siehe: “Wiener haben heuer neuen Radfahr-Rekord aufgestellt“). Ich habe ein wenig zu dem Rekordergebnis beigetragen.
Und trotzdem gibt’s noch viel zu tun:
- Es gibt nach wie vor nicht genügend Radwege in Wien.
- Manche enden dermaßen plötzlich, dass ich selbst auf Strecken, die ich öfter fahre, immer wieder darob erschrecke.
- Ich ärgere mich immer wieder über Touristen, die in Horden auf den RADwegen am Ring stehen (!) und und…
Für diese Vorhaben wünsche ich Martin Blum, dem neuen Fahrradbeauftragen der Stadt Wien, viel Erfolg!
P.S. Kann ich das Elektrofahrrad bitte doch gewinnen? Ich kann’s ja auf eBay verkaufen und mir damit für ein paar Jahre die Jahreskarte für die Wiener Linien finanzieren.
Update am 26.09.2011
Nachdem ich darauf hingewiesen wurde, dass die meisten Elektrofahrräder abnehmbare Akkus haben und damit ein Teil meines Problems gelöst wäre, habe ich ein wenig recherchiert. Zwar habe ich keine Prozentwerte gefunden, aber auf den meisten Überblickseiten steht, dass die Ladeeinheiten größtenteils abnehmbar sind. Bei dem Rad, das ich getestet habe war sie jedenfalls fix verbaut.
Dafür habe ich noch etwas anderes entdeckt: Expertenempfehlungen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) zum Thema “Lademöglichkeiten für Elektrofahrräder im öffentlichen Raum“.
Die Zusammenfassung:
- Die Experten sind sich einig, dass öffentliche Ladestationen für Elektrofahrräder zur Förderung der Elektromobilität zwingend notwendig sind.
- Je nach Anforderungsprofil (elektrische Kennwerte, Ladezeiten, Standzeiten, usw.) wird in Alltags-, und Freizeitbereich unterschieden.
- Lademöglichkeiten sollten nicht nur auf Elektrofahrräder beschränkt werden, sondern es sollten auch Elektroroller und ähnliche kleine urbane Elektrofahrzeuge berücksichtigt werden.
- Lademöglichkeiten sind mit sicheren und gebrauchstauglichen Abstellmöglichkeiten zum Schutz des Elektrofahrzeuges (Diebstahl, Vandalismus, Witterung) auszustatten.
Weitere Beiträge zur Blogparade:
- Cornelia Daniel: Über Kleinkriminalität, Anarchie und meine Art herumzukommen
- Günter Strobl: Urbane Mobilität: Hausbesitzer bitte umdenken
- Katharina Scichilone: Roller fahren in Wien – passt gut dazu
- Marco Schreuder: Urbane Mobilität einst und morgen
- Rolf Schönlau: Nächste Ausfahrt: Stillstand
- Stefan Leitner-Sidl: Urbane Mobilität: Multimodal, kostengünstig, bequem
- Andreas Lindinger: Zum Thema “Urbane Mobilität der Zukunft”
- Andreas Kühl: Mobilität ist wichtiger als der Besitz eines Autos
- Franz Stanzl: Mein Name ist Franz Joseph und ich habe das Über-die-Straße-gehen erfunden
- Irmgard Underrain: Urbane Mobilität oder wie die Murtaler 1 Monat mehr Urlaub im Jahr gewinnen können
- Matthäus Heuböck: Erlebnis Elektro-Mobilität
- Johannes Frühmann: Wer braucht schon ein Elektrofahrrad
- Susanne Mandl: 5 Gründe, nicht mit dem Rad zu fahren
- Franz Fuchs: Urban Mobility: 5 Thesen für die Zukunft
- Roland B. Seper: Verkehr haben – aber richtig
- Hans-Peter Waldbauer: Leben mit dem Fahrrad
- Hannes Offenbacher: Und plötzlich ist es still


Hallo Werner,
natürlich kannst du noch gewinnen! Genau wegen solcher Beiträge gibt es die Blogparade ja. Man muss die Dinge beim Namen nennen!
Danke für deinen Beitrag jedenfalls!
Kann sein, daß ich hier falsch informiert bin aber ich dachte immer, so ein EBike-Akku wäre abnehmbar so daß man ihn mit in der Wohnung aufladen kann, während das Rad im Keller bleibt?
Ja, es gibt auch Elektrofahrräder mit abnehmbarem Akku. Das löst allerdings auch nur einen Teil der Schwierigkeiten. Es ist aber nach wie vor nicht empfehlenswert, so ein Fahrrad bei Wind und Wetter draußen stehen zu lassen.
Die Akkus aller mir bekannten Elektroräder ist mit wenigen Handgriffen abnehmbar. Bei den besseren Modellen ist der Akku auch versperrt, sodass man das Rad auch durchaus an öffentlichen Plätzen abgestellt lassen kann. Ich habe seit Jahren ein custom-built E-Bike mit Bionx Antrieb. Das Rad steht tagsüber bei jedem Wetter im Freien. Bisher keine Hardware-Probleme damit gehabt. Motor und Elektronik sind nämlich komplett gekapselt.
Ich habe mal einen Händler gefragt, ob man so ein Elektrofahrrad draußen stehen lassen kann und der meinte, er würde es nicht empfehlen. Jedenfalls nicht bei Regen und im Winter. Ich mach das nicht einmal mit meinem billigen Mountainbike.Die Metallteile fangen einfach zu schnell zu rosten an. Ich schlepp’s daher immer über die Kellerstiegen. Bei welchen Modellen man die Akkus zum Laden abnehmen kann, habe ich zugegebenermaßen nicht recherchiert. Bei dem, das ich ausprobiert habe, konnte man das nicht. Danke jedenfalls für den Hinweis!
Einfach sowas dau auf den Parkplatz vor der Haustür stellen und ein Parkpickerl draufpicken
kann ja keine so große Sache sein
Ich bin im 15. zum Glück mit einem Innenhof samt Radabstellplatz gesegnet.
Ups Url vergessen: http://www.pusch-schinnerl.com/ Das ding ist echt klasse!
Das Ding ist in der Tat sehr fein.
Ich brauch so ein Radhouse!!!!!
Wie wärs mit einem Spazierschwebegerät? Ich nutze diese Alternative zum Fahrrad seit einem Jahr und bin inzwischen ganz süchtig geworden.
Spazierschweben? Habe ich bislang auch noch nicht gekannt. Danke für den Tipp!
Die Akkus sind abnehmbar. Das restliche Fahrrad ist aber meistens immer noch zu schwer um jeden Tag in den Keller getragen zu werden. Ausnahmen gibt’s: sündhaft teure Rennradumbauten mit Microakku – Stichwort Elektrolyte Bikes
Öffentliche Elektrotankstellen sind politische Augenauswischerei – ein paar Steckdosen vom Wirten beim Schanigarten würden den selben Zweck erfüllen.
Nun ja, du bist jetzt ein Trendsetter! Damit muss man leider leben, wenn man ganz vorne sein will
Allerdings wird es sicherlich nicht mehr lange dauern, bis E-bikes und Pedelecs erschwinglich, schön und praktikabel sind. Kenne wenige Dinge, die so heftig diskutiert werden und so rasant weiterentwickelt werden. Daher: Halt aus!
LG, Evi
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