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Angst könnt ma kriegen

geschafft

Folgendes trug sich heute am Vormittag am Reumannplatz in Wien Favoriten zu: Mehrere Polizistinnen und Polizisten gingen eiligen Schrittes auf einen Mann mit langem Bart zu und verlangten seinen Ausweis. Der ließ das ruhig mit sich geschehen. Eine Passantin beobachtete die Szene, erblickte mich und sprach ihrem Man ins Ohr, sodass ich es hören konnte, hören musste: „Den mit seim Bart sollns a gleich kontolliern. Der schaut a aus wia a Dschihadist.“ Ja, ich trage einen Bart. Mit Terrorismus habe ich aber nichts zu tun. Mit Religion übrigens auch nicht.

Im Zusammenhang mit Terrorismus und seiner Bekämpfung ist viel von Angst die Rede. Die könnte mich in solchen Momenten auch beschleichen. Das wäre aber nicht die Angst vor dem Terror, sondern vor einer Polizei, die zwecks Hebung des subjektiven Sicherheitsgefühls in der Bevölkerung bärtige Männer kontrolliert. Das ist ein starkes und einfach erkennbares Zeichen. Wer sich die Fotos der Attentäter von Paris ansieht, erkennt schnell, dass die eher wie ganz normale Jugendliche ausgesehen haben und keine langen Bärte getragen haben.

Es wäre die Angst vor Vertretern der Regierungsparteien, die uns am Sonntag belügen, vollmundig besseren Rechtsschutz und eine Einschränkung des Deliktkatalogs für das Staatsschutzgesetz versprechen und dann mit einem Änderungsantrag in den Innenausschuss gehen, der so gut wie keine Änderungen beinhaltet. Es wäre die Angst davor, dass im Namen der Terrorbekämpfung Grund- und Freiheitsrechte untergraben werden.

Es wäre die Angst vor Menschen, die in allen Muslimen potenzielle Terrorristen erkennen und die zu einer Spaltung unserer Gesellschaft beitragen. Es wäre die Angst vor Menschen, die vor Angst nicht mehr denken.

Angst ist ein schlechter Ratgeber. Darum lasse ich sie nicht zu.

Bitte unterzeichnet die Petition auf www.staatsschutz.at

 

 

Category: Politik

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2 Responses

  1. Brigitte Kratzwald sagt:

    Stimme allem zu, außer dem letzten Satz. Angst kann manchmal ein wichtiger Ratgeber sein. Und Angst „nicht zulassen“ hilft auch nicht, kann sogar schaden.

    Die Fragen sind komplexer: wovor habe ich wirklich Angst? Woher kommt die Angst? Wer schürt die Angst und warum? Verschleiert man damit die Dinge, wor denen wir wirklich Angst haben sollten? Wer profitiert von der Angst?

    Und letztlich: Wenn wir nicht die Ängste aller Menschen – die echten, nicht die geschürten – ernst nehmen und schauen, was wir dagegen tun können, werden wir nie eine solidarische Gesellschaft erreichen.

    In den letzten Jahrzehnten erlebten wir eine Politik, die systematisch Existenzängste schürte. Es ist von allem zu wenig da, jeder muss sich um sich selbst kümmern, wer nicht wettbewerbsfähig ist, fliegt raus. Verständlich, dass da Menschen Angst bekommen, wenn jetzt so viele neue Menschen dazu kommen. Terroristen sind dann ein willkommenes Objekt, die Angst umzuleiten, um die wahren Ursachen nicht ansprechen zu müssen. Was es wirklich braucht, ist eine Politik, die Sicherheit gibt, dass genug für alle da ist.

    • werquer sagt:

      Ich persönlich bin halt der Ansicht, dass ich mit aller Kraft verhindern muss, mich von irrationalen Motiven leiten zu lassen. Angst mag begründet, geschürt oder unbegründet sein, für die Lösung politischer Aufgaben ist sie ungeeignet.

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