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Die Kultur des Terrors lässt sich nicht in eine Ausstellung packen

Mango-Reliqiuen

Mango-Reliqiuen

„Die Kultur der Kulturrevolution“ nennt das Museum für Völkerkunde seine aktuelle Ausstellung. Hinter dem protzigen Titel könnte sich allerhand verstecken. Tatsächlich ist es aber genau das, was der Untertitel verspricht: „Personenkult und politisches Design im China von Mao Zedong“. Die Ausstellung versucht anhand von Designobjekten die Geschichte des Kults um den politischen Führer Mao zu erzählen. Das ist auf den ersten Blick – den aus der  europäischen Perspektive – auf jeden Fall faszinierend. Das mag wohl auch der Grund sein, warum es nach wie vor so etwas wie eine Ostalgie chinesischer Prägung gibt. Touristen kaufen Mao-Memorabilia in rauen Mengen und stützen so einen ganzen Industriezweig. weiter »

Otto Muehl im Leopold Museum – Die Kanonisierung eines Unbequemen

Otto Muehl Ausstellung - Hinweis zur Hängung

Otto Muehl Ausstellung - Hinweis zur Hängung

Vergangenes Wochenende habe ich die Otto Muehl Ausstellung im Leopold Museum besucht. Dort sind Tafelbilder eines Mannes zu sehen, der zeitlebens daran gearbeitet hat, diese zu zerstören. Bei diesem Vorhaben ging und geht es ihm nicht darum, den engen Rahmen zu sprengen, den das Rechteck einer Leinwand darstellt, sondern darum den elitären Kunstbegriff radikal in Frage zu stellen. In seinem „manifest der kunst“ schrieb Muehl dereinst:

„der künstler von heute ist ein relikt, ein überbleibsel der religiös-feudalen weltbilder auf privater grundlage.

daß künstler heute noch leben können, verdanken sie dem kunstmarkt, der spekulativen zwecken und der geldanlage dient.“

Von dieser Position ist Otto Muehl aufgebrochen, die Grenzen zwischen Leben und Kunst neu auszuloten: Materialaktionen, Aktionismus, bis hin zu dem gewagten Modell der Aktions-Analytischen-Kommune Friedrichshof, in der Kunst zur Lebenspraxis werden sollte. Und genau daran ist er als deren künstlerischer Guru gescheitert. Er hat die Grenze zum sexuellen Missbrauch überschritten. Und dafür ist er auch im Gefängnis gesessen. Sechs Jahre lang. Einge Zeit danach fand er in einem Brief sogar Worte der Entschuldigung.

Die Ausstellung im Leopold Museum will diesen Aspekt weitgehend ausklammern. Diethard Leopold schreibt im Katalog:

„Wenn man das Kommune-Experiment einfach affirmativ darstellt. Unkritisch das als gelungen übernehmend, was Muehl als Vision eines Gruppenexperiments bezeichnet hatte: nämlich dass das Leben selbst zur Kunst werde – dann wird die Muehlsche Kunst im engeren Sinn von der hoch ambivalenten Beurteilung dieses Gruppenexperiments mit erfasst.“

Der Künstler ist jetzt 85 Jahre alt und sein Lebenswerk ist wohl so gut wie abgeschlossen. Es ist ein großes Werk, überbordend vor Kraft, Buntheit und Entschlossenheit. Seine Bilder bloß als Tafelbilder an die Wand zu hängen wird ihm und seinem Lebenswerk nicht gerecht. Sie müssen im Kontext mit seinem Leben gesehen werden. In seiner Kommune ist er teilweise gescheitert. Als Künstler in der überkommenen Definition ist er es nicht. Doch so leicht dürfen wir es uns nicht machen. Gegen solche Kleinkrämerei ist er selbst immer am vehementesten aufgetreten.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 4. Oktober 2010. Details dazu finden sich hier.

Bild gewordene Juche Ideologie – Ästhetischer Gefrierschock im MAK

Wikipedia weiß über die Juche-Ideologie von Kim Il-sung zu berichten, dass in dieser vom Marxismus-Leninismus abgeleiteten Weltanschauung der Mensch zwar nach wie vor Subjekt sei, allerdings wird dessen „bedingungslose Loyalität gefordert“. Ja, man wolle sich sogar über die historischen Grenzen hinwegsetzen in denen die klassischen Denkschule gefangen sei und strebt nach Ewigkeit.

Peter Noevers Ausstellungskonzept, sich vorurteilsfrei und ohne Interpretationskeule dem aktuellen Kunstschaffen Nordkoreas zu widmen, ist mehr als nur gelungen. Unter dem Titel „Blumen für Kim Il-Sung – Kunst und Architektur aus der Demokratischen Volksrepublik Korea“ zeigt das Wiener MAK einen interessanten und durchaus sehenswerten Überblick über das aktuelle künstlerische Schaffen in einem Land, das sich gänzlich außerhalb eines globalen Grundkonsenses stellt und von totalitären Zwangsvorstellungen dominiert wird, in dem der 1994 verstorbene Diktator wie eine Gottheit verehrt wird und in dem sein Sohn Kim Jong-Il aktuell die Mauern zur Außenwelt noch weiter hoch zieht und die Bevölkerung mit Propaganda statt mit Reis füttert.
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„Kongo“ in der Galerie Westlicht – Ein wenig Betroffenheit am Sonntagnachmittag

Kindersoldaten

Kindersoldaten

„Kongo: Susan Schulmann – Überleben in einem vergessenen Land“ heißt die aktuelle Ausstellung in der Galerie Westlicht. Die Koordinaten kurz durchdekliniert: Ein verdienstvoller „Schauplatz für Fotografie“ in einer der Schickimicki-Gegenden Wiens, eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit Ärzte ohne Grenzen und ein Thema, das gerade in der Vorweihnachtszeit voll in die Magengrube trifft. Und so war auch ich an diesem nebeligen Adventsonntag-Nachmittag betroffen: Im Zentrum standen Menschen. Kongolesen, die offensichtlich Schwierigkeiten hatten, in die Kamera einer weißen Fotografin zu blicken, weil ihnen der Blick einer weißen Frau vielleicht ebenso feindlich vorkam wie der der kongolesischen Milizen. Nach meiner Runde in der Galerie würgte mich das große „Aber“. Susan Schulmann sitzt mit ihren Bildern zwischen den Stühlen. Künstlerisch kann man sich einem Thema wie diesem ohnehin nur schwer nähern. Ein dokumentarischer Zugang müsste für einen Mitteleuropäer zu weit ausholen. Mal ehrlich: Selbst die Besucher der Galerie Westlicht (inklusive meiner Wenigkeit) haben goßteils wenig bis keine Ahnung von den politischen Zusammenhängen in Zentralafrika. Also bleibt die menschliche Schiene. Verzweiflung, Dreck, Hoffnungslosigkeit. Alles richtig. Alles verursacht dieses unangenehme Gefühl in der Magengrube. Aber: Was hilft es, wenn das ein paar Besucher einer Galerie im 7. Bezirk erreicht? Wer stellt die persönliche Geschichte dieser Menschen, ihre Armut, ihren Hunger, ihre Verzweiflung in einen politisch-historischen Kontext?

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Noch mal leben: Ein Blick auf das Sterben ohne Voyeurismus

Noch mal leben

Noch mal leben

Kein Tabu, das nicht irgendwann gebrochen wird. Das Sterben hat längst schon Einzug in die Fernseh-Unterhaltung gefunden. Jane Goody, die als Big Brother Star zu zweifelhafter Berühmtheit gelangt ist, hat im März ihr Sterben zum Medienevent gemacht. Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Westlicht zeigt, wie man sich ohne Voyerismus mit dem Tod auseinander setzen kann.

Der Fotograf Walter Schels und die Spiegel-Redakteurin Beate Lakotta haben eine ganz eigene Form gefunden, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. – Eine stille, nachdenkliche Form, die den Sterbenden ihre Würde lässt und den Besuchern der Ausstellung trotzdem einen ungeschönten Blick auf das Ende des Lebens bietet.

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Verbot des Tages

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