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Buch: Vergessene Zukunft. Radikale Netzkulturen in Europa

Die Zukunft war schon mal spannender

Vor etwa 10 Jahren war alles schon da, was das Netz heute ausmacht. Nicht so bunt, nicht so breitbandig und allgegenwärtig wie heute, dafür war das Nachdenken über die Möglichkeiten einer vernetzten Gesellschaft und das Freiheitsversprechen einer grenzenlosen Kommunikation auf theoretischer und künstlerischer Ebene radikaler.

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“Die Piratenpartei. Alles klar zum Entern?” Friederike Schilbach (Hg.)

Meine kurze Besprechung dieses Buches ist in der 123.sten Ausgabe des Magazins für Glamour und Diskurs the gap erschienen:

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Josef Winkler: “Die Realität so sagen, als ob sie trotzdem nicht wär oder Die Wutausbrüche der Engel”

Meine kurze Besprechung dieses Buches des von mir verehrten Josef Winkler ist in der 123sten Ausgabe des Magazins für Glamour und Diskurs the gap erschienen:

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Gelesen: Anneliese Rohrer “Ende des Gehorsams”

Weil es gerade so modern ist sich als Wutbürger zu bezeichnen, weil gerade allerorten lautstark nach Veränderung gerufen wird und weil “Ocuppy [whatever]” so furchtbar trendig ist, habe ich eine kleine Besprechung von Anneliese Rohrers Buch “Ende des Gehorsams” (Braumüller) geschrieben.

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Lost in Personalisation – Eli Pariser beschreibt eindringlich die “Filter Bubble”, weiß aber auch keinen Ausweg.

Ich habe wieder mal eine Buchrezension für das Magazin meines Vertrauens geschrieben. Das Original dieses Textes ist bei The Gap zu finden. (Ihr könnt ihn gerne auch dort lesen.)

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Das ist nicht der #Ruhm der Mobilfunker

Sehr geehrter Herr Kehlmann,

Gerald Reischl hat mich gefragt, ob ich dabei bin wenn die Theaterversion Ihres Erfolgsromans auf die Bühne der Festspiele Reichenau kommt. Ich darf während der Vorstellung sogar meinem Hang zum auf 140 Zeichen verdichteten Exhibitionismus nachgehen. Mach ich. Eh klar! Ich twittere sogar am Klo. Im Theater habe ich auch schon. (Das Stück hat mich gelangweilt.)

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Atemschaukel von Herta Müller – Wie viel Poesie verträgt ein Arbeitslager?

Atemschaukel war mein erster Kontakt mit dem Werk der Literaturnobelpreisträgerin des Jahres 2009. Die Idee Hunger, Monotonie und Stumpfheit eines Arbeitslagers mit poetischen Mitteln darzustellen schien mir zumindest reizvoll. Müller leistet da auch wirklich außergewöhnliches. Sie beschreibt den Hungerengel, der den jungen deutschen Ich-Erzähler Romans durch fünf Jahre in einem sowjet-ukrainischen Lager begleitet, in allen Facetten. Auch dem Zement, der Kohle, der Schlacke und dem Sand widmet sie sich mit eindringlicher Bildsprache. Die wenigen Elemente des trostlosen Lagerlebens als Rohstoff einer Gedankenwelt, die sich nur noch vage an die Vergangenheit erinnert und die Zukunft nicht zu denken wagt. In dem Buch gibt es große sprachliche Momente und intensiv reflektierte kleine Situationen aus dem Lageralltag. Eine solche ist die befohlene kollektive Darmentleerung bei klirrender Kälte. Dieses Sinnbild der totalen Entwürdigung der Häftlinge am Beginn des Romanes ist von einer sprachlichen Intensität, die ihresgleichen sucht. Gleichzeitig stellt die Szene auch den Übertritt des jungen Mannes in die Erwachsenenwelt dar, jedenfalls stellt er fest: „Vielleicht wurde in der Nacht nicht ich, aber der Schrecken in mir plötzlich erwachsen.“ An vielen Stellen trägt Müller aber etwas zu dick auf. Bei einer der langatmigen Beschreibungen der Arbeitsmaterialien im Lage schreibt sie über Schlacke: „In verstreuten Flecken färbte sich das Weiße rosa, oft so stark, dass es grau wurde am Rand. Ich weiß nicht, warum Rosa ins Graue gealtert so besitzergreifend schön ist, nicht mehr mineralisch, sondern traurigmüde wie Menschen.“ Bei solchen Sätzen wird klar, dass hier nicht ein junger Lagerarbeiter spricht, sondern eine routinierte Schriftstellerin. Auch wenn Müller als Ausgangsmaterial die Berichte des Zeitzeugen und Lyrikers Oskar Pastior verwendet hat, für mich ist das Buch keine Aufarbeitung einer zeitgeschichtlichen Epoche. Viel eher dienen die historischen Fakten als Hintergrund für Müllers Sprachkunst. Und die erdrückt leider die Geschichte der handelnden Personen an manchen Stellen. Über die Situation der Deutschen in Siebenbürgen und ihre Verschleppung in die Arbeitslager der Sowjets nach Ende des 2. Weltkriegs habe ich jedenfalls nicht viel gelernt.

Philip Roth – The Humbling: Schmaler Band, große Tragödie

Philip Roth schreibt immer dann am besten, wenn er nahe an seinem Haupthema ist: der überbordenden Libido reifer Männer, die einen Stein anstößt, der Tragödien ins Rollen bringt. Im Zentrum dieses schmalen Bandes reiht sich der ehemals umjubelte Schauspieler Simon Axler nach Nathan Zuckerman, Coleman Silk oder Mickey Sabbath in die Galerie der „dirty old men“ ein. Sein schauspielerisches Talent hat Axler von einem Tag auf den anderen verlassen und er verfällt in eine schwere Depression aus der er nur  herausfindet, indem er mit der 40jährige Lesbe Pegeen die Rolle seines Lebens spielt. Nicht für sie, sondern mit ihr. Axler gefällt sich nicht nur in der Rolle des – trotz Bandscheibenproblemen – potenten Liebhabers, ihm gefällt es vor allem, die um vieles jüngere Frau neu einzukleiden und sie zum Friseur zu begleiten. Die Metamorphose der Frau ist ein aufregendes Spiel für beide. Es wäre kein Roman von Philip Roth, würde sich hinter der vermeintlichen Idylle nicht ein Abgrund auftun. Auf dessen Boden spielt Axler noch ein allerletztes Mal eine Rolle: die von Treplev in Tschechows Möwe. Ohne Publikum zwar, aber dafür bis zur letzten Konsequenz. Meine Empfehlung für Neulinge in Roths Welt: “Die Verschwörung gegen Amerika” und ähnliches auslassen und alles lesen, wo alte Männer große Tragödien durchleben und/oder an ihnen zerbrechen.

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