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Tag 1 des „New Dawn“

Der 30c3 hatte kein Motto. Etwa 9.000 Menschen waren im Vorjahr nach Hamburg gekommen, um sich kollektiv die Wunden zu lecken, die ihnen Edward Snowdens Enthüllungen gerissen hatten. Ohne Motto. Sprachlos. Sogar die konsequentesten Paranoiker waren von den Snowden-Leaks überrascht worden. Die Realität war schlimmer als die düstersten Dystopien. – Und sie ist es noch immer. Aber es bewegt sich etwas. Kaum jemand auf der Welt mit halbwegs regelmäßigen Medienkonsum, die oder der nicht darüber Bescheid wüsste, dass die NSA sich Zugriff auf ihre digitalen Spuren verschafft hat. Die meisten davon kümmert das nicht wirklich. Doch immer mehr beschäftigen sich mit Gegenmaßnahmen. Das zeigt sich auch an den steigenden Besucherzahlen des 31. Chaos Communication Congress. Heuer sind es 12.000. 12.000, denen Crypto kein Fremdwort ist.

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„American Passages“ – Ruth Beckermann entnimmt der amerikanischen Gesellschaft Proben

Die Autorin und Filmemacherin Ruth Beckermann hat für ihren aktuellen Film „American Passages“ eine „assoziative Reise“ (so steht es im Pressetext) durch die USA unternommen. In den 120 Minuten wird allerdings nicht klar, was sie assoziiert.

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„Tutta la vita davanti“ – Berlusconis Italien auf den chirurgisch verschönten Leib geschrieben

Morgendliche Motivationsübung im Call-Center

Morgendliche Motivationsübung im Call-Center

Zwei Jahre hat es gedauert, bis dieser Film über das italienische Prekariat seinen Weg in die österreichischen Kinos gefunden hat. Dabei funktioniert diese Komödie auf allen Ebenen: Hirn und und Herz werden gleichermaßen angesprochen, lachen kann man dabei auch und das sogar ausgiebig. Dass der Film-Exportverantwortliche von Berlusconis Gnade uns das so lange vorenthalten hat liegt wohl daran, dass es hier um sehr explizit vorgetragene Kritik an des Meisters Italien geht. Ein Italien, in dem Fernsehunterhaltung noch seichter ist wie anderswo und in dem man sich mit Hingabe der Aufrechterhaltung des schönen Scheins widmet. Auch wenn es hinter der Fassade schon längst ordentlich bröckelt.

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Precious – Wertvolles Schauspiel im Kino-Mainstream

Mo'Nique als Monster von einer Mutter  © PROKINO Filmverleih GmbH

Mo'Nique als Monster von einer Mutter © PROKINO Filmverleih GmbH

Die Geschichte zu „Precious“ ist schnell erzählt. Eine schwer übergewichtige 16jährige erlebt so ziemlich jedes Übel, das einem Mädchen in einem Ghetto in New York erfahren kann: Inszest samt daraus resultierender Schwangerschaft, ein Kind mit Down-Syndrom, Erniedrigung durch eine sadistische Mutter und Altersgenossen, zweite Schwangerschaft (das Kind ist wieder vom eigenen Vater) samt HIV-Infektion. Während all dies auf das Mädchen einprasselt, versucht es seine Sprache zu finden und – wie könnte es anders sein – entdeckt, dass Bildung die einzige Möglichkeit ist, aus dem Sumpf heraus zu kommen.

Dieser Film hat ein Anliegen. Und das wird transportiert von großen Namen: Talk-Quotenbringerin Oprah Winfrey hat produziert, das Drehbuch stammt vom Oscar-prämierten Drehbuchautor Geoffrey Fletcher, Mariah Carey gibt die verständnisvolle Lehrerin und Lenny Kravits den Krankenpfleger.

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Tangerine – Deutscher Film, der nicht in marokkanische Fallen tappt

Wenn sich eine deutsche Regisseurin filmisch an Marokko heranwagt, läuten bei dem Ethnologen in mir die Alarmglocken. Wenn das Thema – zumindest am Rande – Prostitution in einem muslimischen Staat sein soll, dann erwarte ich in erster Linie eine Geschichte über hilflose, ausgebeutete Frauen. Es geht auch anders. Irene von Alberti erzählt in Tangerine sehr behutsam eine  Geschichte über Widersprüche und darüber wie die die Brille der Herkunft den Blick auf die Menschen verstellt. Eine Gruppe deutscher Musiker – repräsentiert durch ein Paar, das gerade eine Krise durchlebt – ist in der marokkanischen Hafenstadt Tanger auf der Suche nach der Quelle des Rock’n’Roll. Oder anders gesagt: nach ein wenig Ethnoromantik. Ein attraktives marokkanisches Mädchen ist auf der Suche nach einem Weg aus den beengenden Zukunftsvorstellungen, die ihre Familie für sie hegt. Sie findet Zuflucht bei Prostituierten, die diese Situation in Kauf nehmen, nur um sich ein Stück in Richtung des ersehnten Europa zu bewegen. Der Film erzählt in ruhigen Bildern (in denen sich die Regisseurin den touristischen Blick auf Marokko verbietet) eine verworrene Geschichte über Freundschaft, Liebe, Verführung und betrogene Gefühle zwischen Marokkanerinnen und Deutschen. In dem Stoff stecken allerhand Gefahren. Dass der Film in keine davon hineintappt, ist der Regisseurin hoch anzurechnen. Der „clash of civilisations“ wird letztlich auf dem Schlachtfeld individueller Emotionen ausgetragen.

Details: http://www.filmgalerie451.de/film/tangerine/

Jessica Hausners Lourdes: Der Handel mit der Hoffnung

Lourdes (Pressefoto)

Lourdes (Pressefoto)

Lourdes ist das Disneyland der Gelähmten, der unheilbar Kranken, der Verzweifelten und Vereinsamten. In anderen Vergnügungsparks wird mit Unterhaltung gehandelt. In Lourdes mit der Hoffnung. Zu den leeren katholischen Ritualen, die im beliebtesten Wallfahrtsort der westlichen Hemisphäre praktiziert werden, kann man stehen wie man will. Die Verzweiflung der Menschen, die in dem lächerlichen Theater ihre Zuflucht suchen, muss man aber ernst nehmen. Und dass eine junge Frau, deren Körper schwer von Multipler Sklerose gezeichnet ist, die nahezu bewegungsunfähig ist und die den Endpunkt des Krankheitsverlaufes nur zu gut kennt, nur mehr auf ein Wunder hoffen kann, ist nahe liegend.

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Verbot des Tages

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