werquer.com - kultur, leben, politik und technologie quer gedacht
Icon

Ein verdammt großer Tag

saved

Wir könnten jetzt kilometerweit über den Freiheitsbegriff diskutieren. Verschiedene Freiheiten gegeneinander abwägen. Wäre bestimmt ein interessantes Gespräch. Heute sollten wir aber über die Infrastruktur reden, die einige der Freiheiten, über die wir sprechen würden, ermöglicht, zugänglich macht, multipliziert. – Über das Internet.

Dieses schwer fassbare Etwas, das Horden von Theoretikern beschäftigt. Dieses Etwas, an dem sich Praktiker bedienen, aus dem Vollen schöpfen, ohne anderen jemals etwas wegzunehmen. Heute hat sich gezeigt, wie viel es bringen kann, wenn Menschen sich die Freiheit nehmen, für eine Infrastruktur einzutreten, die für viele Freiheiten steht. Die EU-Regulatoren haben heute das Beste aus der EU-Verordnung über „Maßnahmen zum Zugang zum offenen Internet“ gemacht. Sie haben die Netzneutralität in der EU weitestgehend abgesichert. Sie haben das getan, weil ihnen Hundertausende ins Gewissen geredet und eine Schar an Lobbyisten übertönt haben. Ich bin stolz darauf, dabei gewesen zu sein.

Zivilgesellschaft wirkt.

www.savetheinternet.eu

(Die Grafik habe ich bei Julia Reda geklaut.)

 

Ein Loblied auf die Mikrokosmen

Der Duden meint, philosophisch betrachtet sei ein Mikrokosmos die „kleine Welt des Menschen als verkleinertes Abbild des Universums“. Das Universum. Ein voll funktionsfähiges Etwas, wo eins ins andere greift. Supernovæ, schwarze Löcher, neu entstehende Planeten und so Zeug. Die Lebenswelt von Menschen soll ein Abbild des Universums sein? Das ist anmaßend.

supernova

Bild: NASA, ESA, and G. Bacon (STScI) CC BY 3.0

 

weiter »

My blog is my castle

blog

Heute hat der Europäische Gerichtshof final bestätigt, dass der sichere Hafen nicht sicher ist. Morgen findet im Rahmen der Reihe twenty.twenty eine Diskussion zum Thema „Blogosphere 2020“ statt. Das eine hat mit dem anderen zu tun. Für mich zumindest. Es erinnert mich einmal mehr daran, mehr auf meinem Blog zu publizieren, anstatt meine schlampig hingekrakelten Zeichnungen irgendwelchen Plattformbetreibern in den Rachen zu werfen. Ich sollte auch meine windschiefen Metaphern und Stilblüten, für die ich ohnehin zu wenig Zeit finde, nicht den Stylesheets und Algorithmen amerikanischer Unternehmen unterordnen. Und wenn meine Ameisenfotos schon von Suchmaschinen indiziert werden, dann sollten sie zumindest auf einem Server liegen, den ich kontrolliere. Ja, mein Blog ist meine Burg! Da bin ich nicht Untermieter oder gar nur Besucher, sondern Hausherr. All das hat bittschön nichts mit einem digitalen Biedermeier zu tun, sondern mit digitaler Selbstbestimmung. Die ist zwar nicht sonderlich bequem, aber das war Selbstbestimmung noch nie.

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Bild steht unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Österreich Lizenz
Namensnennung: Werner Reiter (werquer)

Wir Ökooptimierer. Wir Datenschleudern.

Die „Macht der Konsumenten“ wird ja viel beschworen. In dem Zusammenhang gilt heute mehr denn je das geflügelte Wort, das auf den englischen Philosophen Francis Bacon (1561–1626) zurückgeht: „Wissen ist Macht“. Die Zusammenhänge einer globalisierten Wirtschaft werden zunehmend undurchsichtiger. Wer „nachhaltig“ konsumieren möchte, tut sich einigermaßen schwer, die richtige Produktwahl zu treffen. Dabei liegt genau darin die Macht: Je mehr Menschen „nachhaltige“ Produkte nachfragen, desto mehr werden die Anbieter auch darauf achten, solche anzubieten. „Nachhaltigkeit“ ist allerdings nur ein Wort, das schnell auf eine Verpackung geschrieben werden kann. (Ich weiß, es ist ein alter und nicht besonders guter Schmäh, aber ich habe dennoch einen Begriff in die Suchmaschine meines Vertrauens eingegeben und bin jetzt ganz entrüstet, dass „Greenwashing“ 251.724 Treffer in 0,35 Sekunden gebracht hat. So viele! Wahnsinn!)

weiter »

Fundstück, 1972

„Computers are mostly used against people instead for people; used to control people instead of to free them; Time to change all that – we need a …Peoples Computer Company.“
PCC-Newsletter, 1972

Tag 1 des „New Dawn“

Der 30c3 hatte kein Motto. Etwa 9.000 Menschen waren im Vorjahr nach Hamburg gekommen, um sich kollektiv die Wunden zu lecken, die ihnen Edward Snowdens Enthüllungen gerissen hatten. Ohne Motto. Sprachlos. Sogar die konsequentesten Paranoiker waren von den Snowden-Leaks überrascht worden. Die Realität war schlimmer als die düstersten Dystopien. – Und sie ist es noch immer. Aber es bewegt sich etwas. Kaum jemand auf der Welt mit halbwegs regelmäßigen Medienkonsum, die oder der nicht darüber Bescheid wüsste, dass die NSA sich Zugriff auf ihre digitalen Spuren verschafft hat. Die meisten davon kümmert das nicht wirklich. Doch immer mehr beschäftigen sich mit Gegenmaßnahmen. Das zeigt sich auch an den steigenden Besucherzahlen des 31. Chaos Communication Congress. Heuer sind es 12.000. 12.000, denen Crypto kein Fremdwort ist.

31c3_evening weiter »

Bildungsinnovation: Die Lehrersuchmaschine

Die aktuelle twenty.twenty-Blogparade stellt die Frage „Wie lernen wir?“ Gemeint ist der persönliche Umgang mit digitalen Werkzeugen beim Wissens- und Kompetenzerwerb. Nun ist es ganz bestimmt nicht so, dass ich mich dem lebenslangen Lernen verweigern würde, aber mir will partout nichts einfallen, was an meiner Art des Erwerbs neuer Kenntnisse oder Fähigkeiten berichtenswert ist. Wenn ich etwas wissen will, dann befrage ich eine Suchmaschine. Ich lese viel – am Smarttelefon, am Tablet, am Notebook, am E-Book-Reader, auf totem Holz – ich schaue mir Streams oder Videos von interessanten Konferenzen, Diskussionsrunden und Vorträgen an. Ich hantle mich von einem Informationshappen zum nächsten, versuche, das so Erfahrene irgendwie zu sortieren und hoffe, dabei etwas klüger zu werden. Aber ich verwende keine Tools für E-Learning – vor vielen Jahren habe ich mal einen Online-Kurs für ein Office-Programm absolviert – und ich spiele keine educational Games. Ganz einfach, weil ich überhaupt nie am Handy oder Computer spiele. Zwar halte ich Games und Simulationen für eine ausgesprochen wichtige Kulturform, aber ich konnte nie darauf „reinkippen“. Vielleicht habe ich das Spielen auch nie richtig erlernt. Soll sein. Vielleicht klappt’s ja mit meiner bahnbrechenden Bildungsinnovation.

weiter »

#codeEU: Wer liest schon Gesetze?

Irgendwie ist ja alles politisch. So auch das mit der Software, dem ihr zugrunde liegenden Code und den Algorithmen dahinter. Und wie immer beim Politischen, ist es für den Großteil der Menschen harte Arbeit, sich Gehör zu verschaffen, mitzugestalten et cetera pp.

weiter »

Und wie hältst du’s mit dem digitalen Demonstrationsrecht?

Es ist twenty.twenty zum Thema „Mobilize / Get mobilized“, es ist eine Blogparade und hier ist mein Senf dazu.
Durch die Statements, die bislang zum Thema eingetroffen sind, ziehen sich als roter Faden zwei Erkenntnisse: Zum einen sind sich alle einig, dass die Dichotomie reale versus digitale Welt keine mehr ist und zum anderen betonen alle, dass Mobilisierung für Aktivitäten, die den Menschen mehr abverlangt als einen Click oder das Unterzeichnen einer Online-Petition, nach wie vor eine ziemlich schwierige Aufgabe ist.

Die Dichotomie ist keine (mehr)

Das Digitale ist Teil des „Real Life“. Spätestens seit Tweets von Österreichs weltbekanntestem Nachrichtenmoderator im Parlament verlesen wurden, seit die Veröffentlichung von Dokumenten auf Onlineplattformen politische Erdbeben ausgelöst haben, seit Online-Filmchen von Eiswasserüberdenkopftschüttaktionen eine schwere Nervenkrankheit ins öffentliche Bewusstsein gerückt haben, ist wirklich allen klar: Was sich aus Bits und Bytes zusammenfügt, ist Teil unseres Lebens. Dass sich die Menschen weder im Online- noch im Offline-Teil dieses Lebens so einfach zu welchen Aktivitäten auch immer mobilisieren lassen, ist keine besonders überraschende Erkenntnis.

demo

weiter »

Kraftwerksselfie

„Als Werner Reiter eines Nachmittags aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seiner Hängematte zu einem Kraftwerk verwandelt.“

changers_1

Erst das Fairphone, jetzt „Kalhuohfummi“ und „Maroshi“. Die Namen meiner neuen Begleiter bei der Verwandlung zum Kraftwerk und Ökonerd stehen für ein Solarpanel und einen mobilen Akku. Deren Hersteller Changers.com hat sich für die Namensgebung beim Freiheitskampf der Malediven bedient:

Die Geschichte von Kalhuohfummi und Maroshi beginnt im 16ten Jahrhundert in einem ungleichen Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit. Zu dieser Zeit war die größte Bedrohung der Malediven die Portugiesischen Eroberer. Die Malediven bauten zu ihrer Verteidigung ein für den Ausgang der Kämpfe wichtiges Kriegsschiff mit dem Namen Kalhuohfummi. Die Segel hierfür wurden auf der Insel Maroshi gefertigt, wo das Schiff auch zur Versorgung der Kämpfer mit Trinkwasser beladen wurde.

Seit ein einiger Zeit hängt Maroshi an der Scheibe meines Arbeitszimmerfensters, genießt die Nachmittagssonne und generiert so Energie, die von Kalhuofummi gespeichert wird. Damit versorge ich nicht nur mein Fairphone, mein Tablet und meinen Kindle mit Energie, ich verwende das Gerät auch, um die dort gespeicherten Energiewerte in die Changers-Community hochzuladen.

werquer_badges

Dort halte ich mittlerweile mit drei Badges, 52,7 generierten Wattstunden und 26,3 gesparten Gramm CO2 und 52 Credits auf Platz 1.246 des Rankings. All das mag nicht nach sonderlich viel klingen, aber in Summe hat die Community schon 823 kWh generiert. Laut Auskunft von Changers.com sind etwa 4.000 Accounts, die dazu beigetragen haben. Wobei man dazu sagen muss, dass zu Anfangszeiten von Changers nur etwa 20 % der User ihre Werte hochgeladen haben, der Anteil derzeit aber schon bei 80 % liegt.

Ein Rechenbeispiel

Ein durchschnittlicher österreichischer Haushalt hat 2012 etwa 4.187 Kilowattstunden (kWh) Strom verbraucht. Der von der Changers-Community generierte Strom würde also etwa zweieinhalb Monate für die komplette Stromversorgung eines Haushaltes ausreichen.

Klar, es könnte mehr sein. Doch das ist nicht der Punkt. Der Punkt für mich ist, dass ich durch die Beschäftigung mit Changers erstmals wirklich verstehe, wieviel Energie meine Geräte brauchen. Ich habe immer schon versucht, sparsam mit Strom umzugehen, aber bislang waren all die Zahlen sehr abstrakt für mich. Strom kam aus der Steckdose und die Kosten dafür waren nicht so hoch, dass ich mir darüber den Kopf zerbrechen musste. Ich wollte nur halbwegs vernünftig mit den Ressourcen umgehen. Jetzt bin ich mein eigenes Kraftwerk, beteilige mich an dem Gamification-Ansatz von Changers und freue mich auf den Sommer, wenn die Sonne intensiver bei meinem Arbeitszimmerfenster reinscheint.

Ein paar Anmerkungen zu meinen bisherigen Erfahrungen mit Changers

  • Das Solarpanel braucht relativ intensive Sonneneinstrahlung damit es auch Strom produziert.
  • Es dauert ziemlich lange, bis der Akku vollgeladen ist. Da das Wetter in den vergangenen Wochen nicht besonders war, habe ich noch keine Erfahrungswerte, wie viel Sonnenstunden es braucht, damit der Akku ganz voll ist
  • Das Laden von Akku zu Gerät dauert auch etwas länger als von Steckdose zu Gerät. Das ist aber insoferne egal, weil Kalhuohfummi klein genug ist, um es gemeinsam mit dem Smartphone in eine Tasche zu stecken.
  • Maroshi ist so verarbeitet, dass ich es auch gerne auf die Terrasse oder auf einen Ausflug mitnehme. Es macht einen ausgesprochen stabilen Eindruck, ist flexibel, nur 2 mm dick und wetterfest.

changers_2

Hier noch die technischen Daten

Changers Solar Panel Maroshi
Größe: Länge 37,0 | Breite 19,1 | Dicke 0,2 (cm)
Gewicht: 105 Gramm
Nennleistung (Pmax): 4 Watt
Leistung Pmax (Vmp): 16,5 Volt
Spannung Pmax (Imp): 0,24 Ampere
Leerlaufspannung (Uoc): 23,25 Volt
Kurzschlussspannung (Isc): 0,29 Ampere
Solarkabel: 2m, DC-jack 2 pole 5,5 x 2,1 mm

Changers Solar Charger Kalhuohfummi
Größe: Länge 9,6 | Breite 8,25 | Höhe 2,0 (cm)
Gewicht: 161 Gramm
Eingangsspannung DC-IN: 5 V – 30 V, max. 1A
Aktives MPP-tracking
Energiespeicher 4.400 mAh; Lithium-Ionen Akkus
Ausgangsspannung DC OUT: 5V, max. 1,2 A

Dieser Text ist ein Beitrag zur twenty.twenty Blogparade „Strategien gegen elektronische Energiefresser“. Daniela Schiffer, Mitbegründerin und COO von Changers.com hält am 29. April 2014 die Keynote bei „Green IT im Haushalt“.

Verbot des Tages

Verbot des Tages

Was sind dir deine Grundrechte wert?

Jetzt für epicenter.works spenden! spenden.epicenter.works

Kategorien

Archiv

About/Impressum

Verbot des Tages