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Geldbeschaffung auf bäuerlich-katholisch*

Geehrter Herr Hiegelsberger,

ich fasse es ja nicht. Sie wollen tatsächlich, dass ich als ausgetretener Katholik wieder zur Kasse gebeten werde? (Siehe Standard und Presse.) Es wird Ihnen eh ziemlich powidl sein, warum ich ausgetreten bin. Daher gibt es hier nur die Kurzform: Ich war und bin angewidert von der katholischen Kirche, von ihrer Verlogenheit, von ihrer Scheinheiligkeit und vor allem glaube ich nicht an Gott. Das habe ich mit meinem Kirchenaustritt vor mehr als 12 Jahren unmissverständlich klar gemacht. Und das müsste eigentlich reichen.

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Bitte treten Sie nicht zurück, Herr Ratzinger!

Sehr geehrter Herr Ratzinger,

ich wende mich an diesem Ostersonntag mit einer Bitte bzw. einem Ratschlag an Sie.

Vorab aber möchte ich ein paar Worte zu meiner Person verlieren: Ich glaube nicht an Gott und kann auch keine theologischen Argumente mit Ihnen austauschen. Am ersten Tag, an dem es mir von Gesetzes wegen möglich war, habe ich die Möglichkeit genutzt, mich von schulischen Religionsunterricht abzumelden. Ich bin also nicht besonders gut informiert über Grundlagen und Innenleben des Katholizismus. Den Glauben nehme ich als Außenstehender wahr. Doch Glaube ist ohnehin Privatsache und das ist auch gut so.

Leider ist die Sache nicht ganz so privat. Meine Töchter müssen Tag für Tag auf das Schmerzenssymbol an der Wand ihrer Schulklasse starren und das wird mit dem Argument gerechtfertigt, dass wir nun mal in einer Weltgegend leben, an deren kultureller und politischer Verfasstheit die katholische Kirche bzw. das Christentum einen wesentlichen Anteil hat. – Ich persönlich glaube ja, dass religionsferne und kirchenkritische Strömungen erst dazu führten, dass moderne Demokratien entstehen konnten. Aus meiner Perspektive war die Kirche seit jeher eher darauf aus, ihre Besitzstände zu bewahren und ihre Macht zu vergrößern. Beispielhaft seien da nur die Inquisition oder die mangelnde Abgrenzung zum Nationalsozialismus zu nennen. Auch das ist Meinung und es wurden und werden viele Argumente dazu ausgetauscht. Tatsache bleibt, dass die katholische Kirche ein politischer Faktor ist. Eine Milliarde Menschen sind Mitglieder dieser Vereinigung und Sie stehen dieser als Vertreter Gottes auf Erden vor. Ihre Stimme hat Gewicht. Ihre Aussagen bzw. Ihr Schweigen zu gewissen Themen sind per definitionem keine Meinung sondern absolute Wahrheit. Die Wahrheit, die Sie vertreten, führt letztlich dazu, dass Ihnen die Schäfchen abhanden kommen.

Ich möchte hier einen Satz aus der aktuellen Ausgabe des österreichischen Magazins profil zitieren:

„Die sture Monomanie seines Chefs hält den Pressesprecher des Heiligen Stuhls, Federico Lombardi, seit dessen Amtsantritt im April 2005 unter Starkstrom. Sei es die Regensburger Rede mit der Islam-Attacke, die Verurteilung von Kondomen auf dem Flug nach Kamerun, die Rehabilitierung der rechtsextremen Pius-Bruderschaft, allen voran des Holocaust-Leugners Richard Williamson, die Vorantreibung der Seligsprechung des historisch umstrittenen Pius XII., der tatenlos dem Holocaust zugesehen hatte, sowie sein äußerst verhaltener und schockierend zögerlicher Kommentar zu den täglich wachsenden Missbrauchsfällen: Seit […] 2005 hat der Oberhirte Benedikt XVI. Kaum ein mögliches Katastrophengebiet unbetreten lassen.“*

Wenn es stimmt haben Sie sich nich nur schockierend verhalten zu den Missbrauchsfällen in Ihrer Kirche geäussert, Sie haben auch der Rehabilitierung eines Priesters zugestimmt, von dem Sie wussten, dass er einen Elfjährigen missbraucht hat. Dieser wurde dann zum Wiederholungstäter.

Das bringt mich jetzt zum Punkt: Ausgehend von der These, dass die katholische Kirche eine politischer Faktor ist und weiter ausgehend von in der Politik gebräuchlichen Regeln, müssten Sie, Herr Ratzinger, heute bei Ihrer Ostersonntagsansprache Ihren Rücktritt bekannt geben. Ich bitte Sie, das nicht zu tun! Warum? Ganz einfach: Weil die Verfassung der katholischen Kirche keine Rücktritte vorsieht. Wenn Sie zurücktreten, werden die Kardinäle, die Ihren Nachfolger wählen, einen Reaktionär und Besitzstandswahrer Ihres Zuschnitts zum Nachfolger machen. Das profil hat Ihren Pressesprecher erwähnt. Nun bin ich selbst auch einer. Und als solcher kann ich Ihnen nur raten: Öffnen Sie die Türen Ihrer Kirchen, leiten Sie umfassende Reformen ein, tun Sie das was Jesus getan hatte: Bringen Sie Opfer! Sie müssen sich ja nicht gleich ans Kreuz nageln lassen. Es wäre schon geholfen, wenn Sie von Ihrem hohen Ross herunter steigen, ein laut vernehmbares „Mea Culpa“ sprechen und die Besitztümer des Vatikan jenen geben, die sie dringender brauchen als alte Kardinäle. – Etwa die Missbrauchsopfer oder die HIV-Positiven, die auf Ihr Anraten keine Kondome verwendet haben. Sie sind der einzige Mann, der die Kirche als politischen Faktor auf der Welt neu ausrichten kann. Wenn Sie das tun werden Sie auf Ihre alten Tage noch richtig populär und beliebt (das sage ich als Pressesprecher) und ich könnte meinen Kindern endlich eine vernünftige Erklärung geben, warum das Kreuz an der Wand ihrer Schulklasse eine gewisse Berechtigung hat (das sage ich als Privatperson).


*profil vom 2. April 2010

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