Noch mal leben: Ein Blick auf das Sterben ohne Voyeurismus

Noch mal leben

Noch mal leben

Kein Tabu, das nicht irgendwann gebrochen wird. Das Sterben hat längst schon Einzug in die Fernseh-Unterhaltung gefunden. Jane Goody, die als Big Brother Star zu zweifelhafter Berühmtheit gelangt ist, hat im März ihr Sterben zum Medienevent gemacht. Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Westlicht zeigt, wie man sich ohne Voyerismus mit dem Tod auseinander setzen kann.

Der Fotograf Walter Schels und die Spiegel-Redakteurin Beate Lakotta haben eine ganz eigene Form gefunden, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. – Eine stille, nachdenkliche Form, die den Sterbenden ihre Würde lässt und den Besuchern der Ausstellung trotzdem einen ungeschönten Blick auf das Ende des Lebens bietet.

Die Ausstellung besteht aus Paaren von Bildern: Das erste ist jeweils ein Porträt eines unheilbar kranken Menschen. Das zweite zeigt ihn dann kurz nach seinem Tod. Auf 1×1 Meter großen Schwarz-Weiß-Fotografien blickt man in Gesichter, die von Krankheit schwer gezeichnet sind. Ungeschönt, ungeschminkt, jede Pore, jedes Haar zu erkennen. Neben den Bilderpaaren ein kurzer Text von Beate Lakotta, die in ruhigen und unsentimentalen Worten nicht die Geschichte der Menschen erzählt, sondern die ihrer Krankheit und ihrer Einstellung zum Sterben. Da gibt es welche, die kämpfen wollen bis zum Ende, welche, die sich mit ihren Verwandten und der Welt noch aussöhnen und andere, die noch etwas vorhaben, bevor sie diese Welt verlassen. Die einen haben nur Angst vor den Schmerzen, die anderen verzichten auf Medikamente, um ihre Gedanken klar zu halten. Manche wollen über das Sterben sprechen, andere lieber über ihr Leben.

Schels und Lakotta lassen all das zu. Bilder und Texte vermitteln den Eindruck, dass sie leise zugehört und genau beobachtet haben. – Ohne Voyeurismus. Sie drängen sich nicht in das Leben der Personen, verraten nichts, was nicht verraten werden sollte. Sie versuchen auch nicht, aus dem Todesmoment Kapital zu schlagen, lassen die Menschen so sterben, wie sie es für sich beschlossen haben. Erst dann macht der Fotograf noch ein letztes Bild.

Die Ausstellung läuft noch bis 31.07.2009.

http://www.westlicht.com