Otto Muehl im Leopold Museum – Die Kanonisierung eines Unbequemen

Otto Muehl Ausstellung - Hinweis zur Hängung

Otto Muehl Ausstellung - Hinweis zur Hängung

Vergangenes Wochenende habe ich die Otto Muehl Ausstellung im Leopold Museum besucht. Dort sind Tafelbilder eines Mannes zu sehen, der zeitlebens daran gearbeitet hat, diese zu zerstören. Bei diesem Vorhaben ging und geht es ihm nicht darum, den engen Rahmen zu sprengen, den das Rechteck einer Leinwand darstellt, sondern darum den elitären Kunstbegriff radikal in Frage zu stellen. In seinem „manifest der kunst“ schrieb Muehl dereinst:

“der künstler von heute ist ein relikt, ein überbleibsel der religiös-feudalen weltbilder auf privater grundlage.

daß künstler heute noch leben können, verdanken sie dem kunstmarkt, der spekulativen zwecken und der geldanlage dient.“

Von dieser Position ist Otto Muehl aufgebrochen, die Grenzen zwischen Leben und Kunst neu auszuloten: Materialaktionen, Aktionismus, bis hin zu dem gewagten Modell der Aktions-Analytischen-Kommune Friedrichshof, in der Kunst zur Lebenspraxis werden sollte. Und genau daran ist er als deren künstlerischer Guru gescheitert. Er hat die Grenze zum sexuellen Missbrauch überschritten. Und dafür ist er auch im Gefängnis gesessen. Sechs Jahre lang. Einge Zeit danach fand er in einem Brief sogar Worte der Entschuldigung.

Die Ausstellung im Leopold Museum will diesen Aspekt weitgehend ausklammern. Diethard Leopold schreibt im Katalog:

„Wenn man das Kommune-Experiment einfach affirmativ darstellt. Unkritisch das als gelungen übernehmend, was Muehl als Vision eines Gruppenexperiments bezeichnet hatte: nämlich dass das Leben selbst zur Kunst werde – dann wird die Muehlsche Kunst im engeren Sinn von der hoch ambivalenten Beurteilung dieses Gruppenexperiments mit erfasst.“

Der Künstler ist jetzt 85 Jahre alt und sein Lebenswerk ist wohl so gut wie abgeschlossen. Es ist ein großes Werk, überbordend vor Kraft, Buntheit und Entschlossenheit. Seine Bilder bloß als Tafelbilder an die Wand zu hängen wird ihm und seinem Lebenswerk nicht gerecht. Sie müssen im Kontext mit seinem Leben gesehen werden. In seiner Kommune ist er teilweise gescheitert. Als Künstler in der überkommenen Definition ist er es nicht. Doch so leicht dürfen wir es uns nicht machen. Gegen solche Kleinkrämerei ist er selbst immer am vehementesten aufgetreten.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 4. Oktober 2010. Details dazu finden sich hier.