The Phantom Band: Dunkelbunter Schottenrock

Dieser Text von mir ist in der Novemberausgabe (Nummer 111) von The Gap erschienen.

Man könnte meinen, dass Major Tom zum Crooner geworden ist und es sich mit intelligenten Effekten und abenteuerlichen Instrumentierungen in sperrigen Tracks der Talking Heads bequem gemacht hat.

»Checkmate Savage«, das erste Album des Sextetts aus Glasgow, erzielte 2009 ausgesprochen gute Wertungen in diversen Musikmagazinen. Dabei war das bloß die Aufwärmrunde für »The Wants«. Der Opener »A Glamour« macht klar, dass diese Band nicht auf den schnellen Erfolg aus ist. Sie lässt sich Zeit, bittet im Intro mit synthetischem Wind, verwischten Synthie-Sounds und westafrikanischem Balafon Platz zu nehmen. Konzentration bitte! Hier spielt nicht just another Indie-Band. Die Herren nehmen ihren Job verdammt ernst. Unvermittelt schält sich aus dieser Atmosphäre das Schlagwerk und bereitet den Boden für den Bariton von Rick Anthony, der etwas zu erzählen hat – mit großen Gesten. Und wer jetzt tanzen will: Bitte, nur zu! Das heißt nicht, dass man dabei gleich das Hirn ausschalten muss.

Die Musik der Phantome ist schwer zu beschreiben. Ihr Konzept heißt Eklektizismus. Sie bedienen sich bei den musikalischen Weltraumfliegern der 70er Jahre ebenso wie bei amerikanischen Croonern oder zackigen New-Wave-Größen und entwickeln daraus ein ausgesprochen dichtes Soundgefüge, das dennoch in keinem Moment in Pomp oder Kitsch abgleitet. Das verhindert nicht zuletzt auch die dunkelbunte Stimmung, die das ganze Album durchzieht. Lustvolles Leiden an der Welt ist seit jeher eine gute Grundlage für überbordende Kreativität. »The Wants« ist ein opulentes, klug arrangiertes Werk, das sich harmonisch zwischen weit auseinander gelegenen Musikstilen entspinnt und Experimentierfreude in den Dienst dramaturgisch spannend aufbereiteter Tracks stellt. Um nur zwei Gegenpole zu nennen, die bei dieser Band zueinander finden: Wer in letzter Zeit den Elektronik-Intelligenzler Matthew Dear oder The National auf Powerplay hatte, wird hier blendend bedient. Auch wer sich fragt, wer das Erbe des frühen David Bowie oder der Talking Heads verwaltet, wird hier fündig werden. Der Höhepunkt des Albums ist »Into The Corn«. Eine befremdliche Reise in ein Land, »where the wrong crop grows«. Stoisch stellt der Sänger fest: »Everyone I knew there was dead«. Die Hymne für diesen Herbst.

(9/10)