Geldbeschaffung auf bäuerlich-katholisch*

Geehrter Herr Hiegelsberger,

ich fasse es ja nicht. Sie wollen tatsächlich, dass ich als ausgetretener Katholik wieder zur Kasse gebeten werde? (Siehe Standard und Presse.) Es wird Ihnen eh ziemlich powidl sein, warum ich ausgetreten bin. Daher gibt es hier nur die Kurzform: Ich war und bin angewidert von der katholischen Kirche, von ihrer Verlogenheit, von ihrer Scheinheiligkeit und vor allem glaube ich nicht an Gott. Das habe ich mit meinem Kirchenaustritt vor mehr als 12 Jahren unmissverständlich klar gemacht. Und das müsste eigentlich reichen.

Tut es aber nicht. Anscheinend denken schon zu viele so wie ich und rennen der Kirche in Scharen davon. Da lässt sich ihr ganzer katholischer Firlefanz nicht mehr finanzieren und die Kirche kann die Millionen nicht mehr aufbringen, die die Klasnic-Kommission (bislang waren es 6,4) an die Opfer ihrer verirrten Schafhüter bezahlen muss.

Sorry, Herr Hiegelsberger, ich bin der katholischen Kirche niemals wissentlich beigetreten, habe mich als Schüler bei der erstbesten Gelegenheit vom Religionsunterricht abgemeldet und bin ausgetreten als die Kirchenbeitragsstelle Geld von mir verlangt hat. Ich finde es schlimm genug, dass meine Kinder, die ebenfalls nicht Mitglieder dieser Institution sind, Tag für Tag das seltsame Foltersymbol an der Wand ihrer Klasse sehen müssen.

Die katholische Kirche ist in einer tiefen Krise. Zu Recht wie ich meine. Dass Sie jetzt meinen, dass Menschen, die diese Krise nicht verursacht haben, die sich bewusst distanziert haben, dafür zahlen sollen, ist unvergleichlich blöd. Es bleibt auch blöd, wenn Sie das als Kultussteuer tarnen. Und es hat vor allem nichts mit Solidarität oder dem Erhalt von Kulturgütern zu tun. Ich habe mich wirklich bemühen müssen, vergleichbare Geldbeschaffungsmethoden zu erfinden:

  • Zum Beispiel könnten alle Menschen, die zwar einen Führerschein haben, aber bewusst auf ein Auto verzichten, eine KFZ-Pauschalsteuer bezahlen. Dann müssten die Treibstoffpreise nicht mehr angehoben werden.
  • Kranken und behinderten Menschen, die schon mal gesund waren, könnte die Sozialversicherung ordentlich raufgesetzt werden.
  • Oder ein Beispiel aus Ihrem Bereich: Landwirten, die bewusst auf biologische und nachhaltige Produktion umgestellt haben, könnten sämtliche Förderungen entzogen werden.

Religion hat nicht viel mit Rationalität zu tun, das ist mir schon klar. Aber Herr Hiegelsberger, Sie sind ja kein katholischer Würdenträger, sondern Funktionär einer Interessensvertretung. Von solchen sollte man sich ein Mindestmaß an Vernunft erwarten können. Bitte lassen Sie den Quatsch! Sowas tut der Landwirtschaft nicht gut.

Schöne Grüße nach Oberösterreich!

*Nachdem ORF.at berichtet hat, dass sich selbst die Kirche von Ihrer Idee distanziert hat (siehe letzter Absatz dieses Artikels) habe ich den Titel von “Geldbeschaffung auf katholisch” auf “Geldbeschaffung auf bäuerlich-katholisch” geändert.