Meine afghanische Schwester ist einen Schritt weiter. Ob sie ihr Ziel erreicht, bleibt ungewiss.

Es gibt derzeit medienwirksamere Themen in der heimischen Politik. Dennoch dürfen wir die Abertausenden nicht vergessen, die auf der Flucht sind und für die es ohne Belang ist, wer nun Kanzler in Österreich Kanzler ist. Alexander Schallenberg hat meiner afghanischen Schwester in den letzten Tagen seiner Amtszeit als Außenminister weitergeholfen.

Meine Schwester konnte vor den Taliban in den Iran fliehen und darf ihren Antrag auf einen Aufenthaltstitel ausnahmsweise in Teheran stellen, obwohl sie dafür eigentlich auf die Botschaft in Islamabad, Pakistan müsste. (Warum das für sie als Angehörige der Volksgruppe der Hazara unmöglich ist, habe ich >>hier ausgeführt.) Das ist die gute Nachricht aus dem Außenministerium, die mich am 07. Oktober erreicht hat. Die Anfrage habe ich am 17. September abgeschickt. Fast vier Wochen haben wir gezittert und einen Tag nach den Hausdurchsuchungen im Kanzleramt und in der ÖVP-Zentrale kam die Antwort. (Das ist sicherlich nur eine Koinzidenz und keine Korrelation.)

Diese gute Nachricht war als solche nicht einfach zu erkennen. Im Schreiben des Außenministeriums fand sich der Satz:

„In Ausnahmefällen kann der Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten gem. § 5 NAG auch eine andere Österreichische Vertretungsbehörde ermächtigen, einen Antrag anzunehmen. Es kann daher ermöglicht werden, dass Fr. M. einen Antrag auf Aufenthaltstitel an der ÖB Teheran stellt.“

Das Wörtchen „kann“ hat mich irritiert. Auf meine Nachfrage beim zuständigen Beamten kam dann die Bestätigung:

„Frau M. möge sich mit der Botschaft zwecks Vereinbarung eines Termins zur Antragstellung in Verbindung setzen. Die Botschaft ist informiert.“

Das gibt Hoffnung, auch wenn uns klar ist, dass vom Antrag bis zum positiven Bescheid noch ein langer Weg ist. Mittlerweile bin ich in Kontakt mit der Botschaft in Teheran. Ich werde berichten. Haltet meiner Schwester die Daumen!