Philotas im Vestibül: Es braucht nicht viel, um einen gelungenen Theaterabend zu schaffen

Im Vestibül des Burgtheaters wird der Beweis erbracht, dass es nicht viel braucht, um einen guten Theaterabend zu schaffen. Michael Höppners Inszenierung von Lessings Philotas kommt weitgehend ohne Pomp, Trara und bemüht kreative Regieeinfälle aus. Simon Kirsch spielt den jungen Heißsporn Philotas in einem kleinen Rechteck, nutzt den Raum voll aus, geifert, wütet, weint. Ein…

Zu viele Ebenen? – Twitterprojekt Reichenau

Am vergangenen Freitag hat eine Runde von 11 Twitteristi sich redlich bemüht, der Bühnenfassung von Daniel Kehlmanns “Ruhm” eine weitere Ebene hinzuzufügen. Gleich vorweg: Es ist nicht leicht, einer Theateraufführung zu folgen, dabei selbst Kommentare in ein Smartphone zu tippen und auch noch auf die Kommentare der anderen zu reagieren. Doch der Reihe nach.

Das ist nicht der #Ruhm der Mobilfunker

Sehr geehrter Herr Kehlmann, Gerald Reischl hat mich gefragt, ob ich dabei bin wenn die Theaterversion Ihres Erfolgsromans auf die Bühne der Festspiele Reichenau kommt. Ich darf während der Vorstellung sogar meinem Hang zum auf 140 Zeichen verdichteten Exhibitionismus nachgehen. Mach ich. Eh klar! Ich twittere sogar am Klo. Im Theater habe ich auch schon.…

100 Prozent Wien: Statistik ist langweilig

Gestern kam ich per Zufall und gänzlich unvorbereitet in den Genuss einer Produktion der Wiener Festwochen. Dem inszenierenden Rimini Protokoll eilt ja ein guter Ruf voraus. Sie arbeiten mit so genannten Experten der Wirklichkeit und selbst wenn sie sich Bühnentexte vornehmen, dramatisieren sie nicht diese selbst, sondern lassen Menschen ihre persönlichen Beziehungen zum Text in…

Othello: “Love will tear us apart” klingt anders

Ich hatte Joachim Meyerhoff als grandiosen Mephisto und Katharina Lorenz’ vielschichtige Deutung von Gretchen in Erinnerung als ich mich ins Akademietheater zu Othello auf den Weg machte. Regisseur Jan Bosse hat aber meine Erwartungen schnell zurück gestutzt. Meyerhoff war mit seinen linkischen Bewegungen und seinem eigenartigen Sprachduktus – um es vorsichtig zu formulieren – zwar…

Faust I – Wenn der Ersatz zur Sensation wird

Matthias Hartmann hat sich für die aktuelle Burgtheatersaison einiges vorgenommen: gleich beide Teile von Goethes Klassiker. Ein Monsterprojekt also. Ich hatte vorigen Samstag die Gelegenheit, Faust I zu sehen. Dankenswerterweise hat mir Christian Köllerer seinen Aboplatz im Parkett überlassen. Ich bin ja grundsätzlich skeptisch, wenn Klassiker neu aufgeputzt werden. Allzu oft geschieht das mit linkischen…